Eine Liebeserklärung in schwarz

Ihr kennt sie alle, aber allgemein herrscht eine große Uneinigkeit, was ihre Wahrnehmung angeht. Sie diente schon unzählige Male als Inspirationsquelle ganzer Modekollektionen, und kaum ein Künstler kann sich ihr entziehen.

Ich gehöre zu ihren großen Anhängerinnen. Eine Welt ohne sie ist für mich farblos. Es geht um die Farbe Schwarz.

Schwarz wurde von Anbeginn der Kulturgeschichte eine große Bedeutung zugeschrieben, denn sie verkörpert die Finsternis, das Böse und den Tod. Unsere Ahnen fürchteten die Dunkelheit und den Besuch des schwarzen Mannes. Auch heutzutage wird die Farbe in der europäischen Kultur mit Negativem wie Depression, Trauer und Tod verbunden. Im Sprachgebrauch beschreibt schwarz nicht nur den Farbton, sondern kann auch ein Gefühl ausdrücken. Wenn man beispielsweise einen schwarzen Tag hat, fühlt man sich vielleicht wie das schwarze Schaf in der Runde, malt gern ganze Sachverhalte schwarz, gönnt dem anderen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln, setzt einen Freund auf die schwarze Liste und schiebt ihm den schwarzen Peter zu. Und dann kann er auf eine Entschuldigung warten, bis er schwarz wird.

Doch ich sehe schwarz ganz anders.

Schwarz ist die beliebteste Farbe bei Kleidung, sie ist absolut zeitlos und in dieser Farbe ist frau immer tadellos und niemals falsch angezogen. Je nachdem, wie sie kombiniert wird, darf frau sich in Szene setzen oder ganz in ihr abtauchen. Schwarz kann ein stilles Statement sein. Viele Künstler bevorzugen schwarze Kleidung, um ihren Werken den Vortritt zu lassen. Auch Modedesigner sind dieser unbunten Farbe verfallen und huldigen ihr in zahlreichen Kollektionen. Bekannte Marken wie Yōji Yamamoto und Alexander Wang wären ohne ihre schwarzen Designs kaum vorstellbar. Oder hätte das kleine Schwarze von Coco Chanel ebenso die Frauenwelt revolutioniert, wenn es in Braun dahergekommen wäre?

Sweate. Rei Kawakubo for Comme des Garçons. Lindbergh/Courtesy. 1982.
Sweate. Rei Kawakubo for Comme des Garçons. Lindbergh/Courtesy. 1982.

Der Grund für diese Faszination ist die Ambiguität. Schwarz ist die Abwesenheit von Bunt und meint: Seriosität. Schwarz ist aber auch die Abwesenheit von Licht und meint: Verstecktes. Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckten Frauen die verführerische Botschaft, die sich damit transportieren lässt. Schwarz wird mit der dunklen Seite der Erotik assoziiert. Das Spiel wird reizvoll, wenn es in Dunkelheit gehüllt ist. Was man nicht sieht, möchte man ertasten.

Eine Frau, die wie ein Wesen aus den Schatten in einem schwarzen, langen Abendkleid die Stufen emporsteigt. Eine Königin der Nacht, umhüllt von einem Geheimnis. Sie transportiert den Reiz des Verbotenen, des Unerreichbaren. Und was könnte reizvoller sein, als wenn sich die Königin ihres Kleides entledigt und darunter nichts trägt außer einem schwarzen Spitzenslip?

„Schwarz sticht alles“, meinte Coco Chanel. Mit schwarz trifft man immer ins Schwarze, sage ich.

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Kommentare: 1
  • #1

    Anna Jff (Donnerstag, 03 Dezember 2015 15:10)

    Ein toller Beitrag über eine tolle (nicht) Farbe. Ich liebe Schwarz, wenn ich nicht weiß was ich anziehen soll ist Schwarz meine Lösung. Ob schick, casual oder gewagt, es macht immer Spaß sich in Schwarz zu kleiden.