Isar - Frau aus Stahl

Letztes Wochenende fand die Stroke Art Fair in der Säulenhalle des Postpalastes in München statt. Da mein großes Thema Frau auch im Bereich der Kunst zu finden ist, war ich wieder auf der Suche nach beeindruckenden Frauen.


Obwohl es viel wunderbare Kunst zu sehen gab, hatte ich das „eine“ ansprechende Werk noch nicht gefunden. Nach einer großen Runde zwischen den Ausstellungstafeln, wollte ich schon fast die Suche aufgegeben, doch dann sah ich sie: Isar.

Ihren Namen kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber ich war von der ersten Sekunde an fasziniert. Abgebildet wurde das Portrait einer jungen Frau, welche durch eine Verlaufstechnik auf eine Stahlplatte gemalt wurde. Aber Isar war kein gewöhnliches Portraitbild. Nicht nur das Motiv der Frau zog mein Interesse auf sich, sondern vor allem der Ausdruck in ihrem Gesicht. Der Schatten, der in Isars Gesicht liegt wirkt mysteriös und anonymisiert sie. Ihre kühlen Augen zogen mich an und stießen mich gleichzeitig weg.

Sie sagen mir: „Ich bin unerreichbar.“

Sie ist ein Geheimnis. Etwas, was frau nicht jeden Tag zu sehen bekommst. Aber trotz dieser rätselhaften Augen, lädt ihre Haltung ein, näher zu kommen. Der blaugrüne Glanz ihrer Haut unterstützt das Rätselhafte an dem Werk. Isar ist nicht von dieser Welt.

Im Gespräch offenbart mir der Künstler Frederik Eckenheim die Geschichte des Werkes.

Inspiriert wurde er 2012 von der Swim Campaign von H&M, die das Model Isabeli Fontana zeigt. Durch die fast unnatürliche Schönheit des Models und ihren anzüglichen Blick, der aber immer mit etwas Missbilligung vermischt ist, blieb Isabeli dem Künstler im Gedächtnis.

Das Motiv malte er mit Acryl und Metallpigmenten auf eine gealterte Carbonstahl-Platte und verätzte das Portrait mit Säure. Der willkürliche Verlauf ist das Ergebnis der Reaktion von Farbe, Pigmenten und Säure. Diese Reaktion soll, laut Eckenheim, die Vergänglichkeit der Schönheit der Modeindustrie darstellen.

„Man weiß nie, wie das Bild nach der Behandlung aussieht.“, erklärt er mir. Das sei das spannende an der Arbeit mit Säure. Den Namen Isar wählte der Künstler bewusst, denn die Schlieren auf der Haut erinnern an ein Luftbild der Isar-Adern in München. Aus diesen Einflüssen entstehen ganz eigene Werke mit eigenen Geschichten.

Das Gefühl, das ich hatte, als ich Isar begegnete, hatte ich nicht erwartet. So muss ein Kunstwerk für mich sein:

Eine plötzliche Überraschung, die einen berührt, fesselt und im Gedächtnis bleibt.

Genau so hat Isar mich verzaubert und ich bin schon gespannt, auf weitere Frauen aus Stahl.

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